Evi Stangassinger im Gespräch

Die Beauftragte für Hochschulmanagement und Internationalisierung an Münchens HFF über die Zukunft des Gaming und wieso Videospiele Teil der Medienausbildung werden. Von Rudolf Inderst Eingestellt: 8.11.2008 08:16

Am 21. Oktober 2008 lud das Cluster audiovisuelle Medien (CAM) in München CAM zu einem Roundtable mit Hochschullehrern und Wissenschaftlern, um darüber sprechen, wie der steigende Bedarf nach gut ausgebildeten Spezialisten für die Entwicklung interaktiver Unterhaltungssoftware gedeckt werden kann. Wie kann etwa die Attraktivität der Ausbildung bei jungen Menschen frühzeitig bekannt gemacht werden? Wer kann auf welche Weise beitragen, dass Hochschulausbildung und unternehmerische Anwendungen besser miteinander verknüpft werden?

...in ganz Bayern hat man erkannt, dass Gaming ein wichtiges Thema ist...

Teilgenommen hatten an der ersten Gesprächsrunde unter anderem Vertreter der Technischen Universität München, der Universität und der Hochschule Augsburg und der Hochschule Würzburg. Alle Diskutanten stimmten in einem Punkt überein: Zu wenige Schülerinnen und Schüler, die sich für das Fach Informatik interessieren, gelangen in die Hochschulen. Die interaktive Unterhaltungsindustrie könne so ihren Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern nicht decken. Ein wichtiges Ziel sei daher, Strategien zu entwickeln, mit denen schon Schüler für das Fach gewonnen werden können. Ebenso wichtig sind nach Ansicht der Dozentinnen und Dozenten bessere und regelmäßige Kontakte zur Spieleindustrie, Animations- und VFX-Branche. So könne man in den Curricula schneller auf deren Bedarf reagieren.

Am Gespräch hatte auch Frau Evi Stangassinger, zuständig für Hochschulmanagement und Internationalisierung an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, teilgenommen. Wir konnten Sie für ein kleines Interview und interessante Antworten gewinnen.

Eine lockere Einstiegsfrage: Was bedeutet digitales Spielen für Sie persönlich? Sind Spiele auf Xbox, PlayStation oder Nintendo denn Teil ihres Lebens?

Evi Stangassinger (ES): Für mich spielt digitales Spielen durchaus eine Rolle. Durch meine Neffen kenne ich alle aktuellen Games, sie spielen auf allen Systemen. Meine Favoriten sind derzeit die Wii. Powergames. Abgesehen davon bin ich der Meinung digitales Spielen gehört zu unserem heutigen Leben und daran will ich nicht ungeachtet vorbeigehen.

Wo liegen für Sie die Berührungspunkte von Spiele- und Filmindustrie? Welche grundsätzlichen Synergieeffekte sind mittel- und langfristig denkbar?

ES: Die Berührung besteht zunächst in der banalen Feststellung, dass es sich um bewegte Bilder dreht. Meines Erachtens eignen sich viel mehr Filme für Nutzung als Videogames, als derzeit tatsächlich stattfindet. Ich meine sogar eine gute Filmgeschichte als Basis für ein Game ist sehr viel interessanter als erst einen Charakter zu haben und daherum eine Geschichte für das Game zu entwickeln. Ich meine, wer derzeit in diese Richtung innovativ denkt und handelt gehört zu den „First Movern“, gute Inhalte, zum Beispiel in Form von Autoren werden gerade bei den Games dringend benötigt und daher ist eine langfristige Zusammenarbeit eine logische Konsequenz.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, plant die HFF München ihr Gaming-Lehrangebot schrittweise zu erweitern. Wie sieht es aber momentan aus? Welchen Platz nimmt das Spielen derzeit an Ihrer Hochschule ein?

ES: In ganz Bayern hat man erkannt, dass Gaming ein wichtiges Thema ist und man auch in der Medienausbildung aktiv werden muss. Viele Schulen bilden auch schon einschlägig aus. Wir haben einen ersten Studenten, der die Hochschule mit einem Videogame abschließen will, und wir versuchen, ihm dabei behilflich zu sein. Die HFF will sich der Thematik zunächst aus Sicht der Produktion schrittweise nähern. Die Qualität der Lehre stand und steht immer an erster Stelle und nach dieser Prämisse wird derzeit recherchiert.

...der Stellenwert des Gaming wird sich insgesamt rasant erhöhen...

Am Schluss stellt sich dann natürlich die Frage, wohin die Reise gehen soll? Wagen Sie eine Prognose. Welchen Stellenwert wird das digitale Spiel in, sagen wir 10 Jahren, an der HFF einnehmen?

ES: Ich meine, der Stellenwert an der HFF ist hier eher sekundär. Der Stellenwert des Gaming wird sich insgesamt rasant erhöhen und ich meine, dies wird man in allen Bereichen spüren – von der Ausbildung bis zur Produktion. Die HFF wird sicher ihren Teil dazu beitragen, dennoch wird sich sie HFF primär ihren originären Aufgaben widmen und diese liegen im Bereich Fernsehen und Film, so wie es die Bezeichnung schon aussagt.

Frau Stangassinger, wir danken für das Gespräch und alles Gute für das Medium Spiele an der HFF.

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