Mein erstes eSports Turnier - Ein Reisetagebuch (Tag 3)

Wir waren zu Besuch bei der Championship Gaming Series vom 16. bis 18. Mai 2008 in Birmingham - ein kleines Reisetagebuch in drei Teilen schildert unsere Eindrücke vom Tunier. Von Rudolf Inderst Eingestellt: 24.05.2008 13:13

Wir waren zu Besuch bei der Championship Gaming Series vom 16. bis 18. Mai 2008 in Birmingham - ein kleines Reisetagebuch in drei Teilen schildert unsere Eindrücke vom Tunier.

Tag 3: Sonntag, 18.Mai 2008

Bloody Sunday. Nach einem oder zwei Pfund Frühstück machen wir uns wieder auf. Die Straßen sind sonntäglich leer, hier und da stolpert man über Vergnügungsleichen. Ankunft bei der bereits beschriebenen Security-Fachkraft, die sich seit fast drei Tagen so benimmt, als sehe sie uns zum ersten Mal. Ist vermutlich so eine Art Berufsethik. Chronischer Mangel an Netzwerkkabeln und ein Drahtlosnetzwerk, welches den Namen nicht verdient, machen das ewig-präsente und gewohnte Nebenhersurfen unmöglich. Es ist ein Skandal, ironisiere ich fröhlich. Das Handbuch einer stoischen Moral muss neu geschrieben werden!

Bei einer langen Runde stelle ich fest: Zusehen macht jede Menge Spaß; dieser weiß sich Schritt für Schritt zu erhöhen, wenn man das Spiel selbst schon einmal intensiver gespielt hat. Call of Duty 4 kommt da schon recht nahe ran, aber es sind PC-Spieler mit entsprechendem Habitus. Dead or Alive 4 auf der 360 ist auch pretty close. Teil 3 spiele ich oft auf der alten Xbox. Entsprechend konnte ich bei Halbfinale 1 und 2 emotionale Aufwallung verspüren! Interessant. Verzückt nehme ich die schnellen Bewegungen der Finger und Augen zur Kenntnis: Die Synapsen scheinen nicht mehr Leistung bringen zu können, doch kurz vor dem Kollaps schenkt der angespannte Körper seinem Besitzer und Feldherren den Sieg. Fäuste ballen sich dann, Arme werden nach oben gerissen, die umstehenden Menschen nicken sich zu, klatschen verhalten und murmeln anerkennende (oder aberkennende) Worte.

Die deutsche Hoffnung Tactical scheitert. Er verdreht die Augen. Lässt sich die Enttäuschung aber nicht anmerken. Später kommt er als gesetzter Spieler sowieso ins Team. Das weiß er jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Sonne vor dem Spielcenter erscheint jetzt wie eine Fototapete. Vertraust Du ihr und verlässt den Bunker der digitalen Passionen, umfängt Dich ein strammer Wind, der die Bytes aus den Haaren weht. In schönen TV-Bildern werden die Spieler präsentiert, die ihre Plätze sicher im Team haben und sich nicht dem späteren draft stellen müssen. Dabei werden Sie von britischen Pornoschönheiten in spärlicher Halbweltkluft vor die Kamera gezogen. Unschön, to be honest. Der Draft wiederum fand ebenso vor großem Publikum statt und entlockte zumindest einmal ein großes Raunen! Am Ende hatten viele Spieler neue Trikots an und manche lächelten fröhlich vor sich hin.

Ein erfolgreicher Tag, nein, ein erfolgreiches Wochenende neigt sich für die Veranstalter dem Ende zu. In einer Motivationsrede legt der CEO Reif noch mal alles ins Zeug. Gerade erst komme er aus China zurück, wo eine Provinz, deren Namen ich leider nicht erinnere, extra für die CGS eine Arena aus dem Boden stampft. Seine Worte "ground shaking" sind natürlich angesichts der aktuellen Ereignisse nicht sonderlich glücklich gewählt, aber man merkt ihm an, dass er von seiner Idee überzeugt ist. Er will diese Liga. Er will den globalen Durchbruch. Vielleicht auch die globale Dominanz. Ich lasse mich noch von Journalistenseite die Einwände der deutschen eSportler gegen die CG-Serie erläutern. Auch das gibt es also. Aber die deutschen eSportler selbst sind, wie mir berichtet wird, auch recht uneinheitlich organisiert. Es scheint, als gehe es wie beim Boxen zu: Unzählige Verbände konkurrieren unter- und miteinander. Vielleicht wird der Gastauftritt bei den Olympischen Spielen helfen, die Keyboard-, Maus- und Pad-Artisten zu einigen. Kamerateams und Fotografen ziehen sich jetzt mehr oder minder zufrieden zurück. Das Turnier ist zu Ende, aber die Teams werden noch einige Tage in Birmingham bleiben. Es gilt zu filmen, zu schneiden, zu instruieren.

Ein letztes Mal machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Abendessen beim Italiener, die Restaurantdichte in der Gegend ist hoch. Eine DVD wird den Abend beenden. Ein Trikot gab es für mich, fällt mir noch ein, bevor ich voller neuer Eindrücke einschlafe. Es ist strahlend gelb. Das Cap hingegen ist lila. "Allianz Berlin" steht darauf. Als die Augen sich öffnen, ist es kurz nach fünf Uhr morgens. Abreise. Regen in Zürich. Ich kaufe Toblerone.

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