An einem sonnigen Abend fand ich mich in München zum Telefoninterview mit Andy Reif, dem CEO und Commissioner der Championship Gaming Series, ein.
Der Anruf führte mich ins sonnige Los Angeles und in ein interessantes Gespräch über Spiele, Spielerinnerungen und Spielaussichten. Der 43-jährige Reif war in schalkhafter Gesprächslaune und beantwortete alle Fragen mit – so stelle ich mir das zumindest vor – einem sympathischen Lächeln.
Doch, Moment! Bei der Institution „Championship Gaming Series“ klingelt es nicht bei jedem? Kein Problem. Die Championship Gaming Series (CGS) stellt eine professionelle Liga für eSports aus den USA dar, die auch außerhalb Nordamerikas ausgetragen wird. Die Liga, die 2007 gegründet wurde, gehört zum US-Satellitenbetreiber DirecTV und wird in Zusammenarbeit mit British Sky Broadcasting in Europa und in Asien mit STAR TV betrieben. 2008 stehen unter anderem Titel wie etwa Counter-Strike: Source oder Fifa 08 auf dem Spielplan.
Das Gespräch war die richtige Einstimmung für die Reise nach Birmingham am kommenden Wochenende. Von 16. bis 18.Mai 2008 findet dort das Aufeinandertreffen englischer und kontinentaleuropäischer Spitzenspieler statt. GAMEPALS.de wird natürlich vor Ort sein. Doch nun zu Andy und mir! Inoffiziell unter Spielern zu weltbesten ersten Interviewfrage gewählt, eröffnete ich mit dem Klassiker.
Andy, was war Deine erste elektronische Spiel-Erfahrung?
Andy Reif: (lacht) Junge! Das ist verdammt lange her. Ich muss zugeben, dass ich es nicht mehr so genau weiß. Aber ich denke, es müsste Asteroid gewesen sein.
Ganz sicher?
AR: Oder vielleicht war es doch Pong? Nein, ich glaube, es war Asteroid.
Und was dreht sich momentan in Deinen Zockmaschinen?
AR: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht den größten Spielerhintergrund habe. Aber ich sehe mich auch weniger in der Rolle des Spielers bei uns. Viel eher würde ich mich als jemand beschreiben, der neue Spiele für den Turnierbetrieb herausfiltert und findet. Das bedeutet, ich bringe mich auf diese Weise ein und sorge dafür, dass den wartenden Spielern geholfen wird. Aber um die eigentliche Frage zurück zu kommen: Ich versuche mich gerade, in Dead or Alive 4 einzuarbeiten, was für mich ziemlich harte Arbeit ist. (lacht). Außerdem spiele ich regelmäßig Bricklayer auf meinem BlackBerry. Sehr entspannend!
Nichtsdestotrotz wirst Du doch wohl ein Lieblingsgenre haben?
AR: Das hätte ich bestimmt, wenn ich mehr Zeit hätte, um wirklich lange und ausgiebig zu spielen. Leider komme ich nicht dazu, weil stets alles mögliche sich auf meinem Schreibtisch stapelt. Ich kann mich noch gut an die alten Arcades erinnern, in denen ich als Jugendlicher abhing. Das war immer einer super Sache für mich. Da konnte ich völlig aufgehen und alles um mich herum vergessen. Ich hoffe, die CGS löst ähnliche Gefühle bei den Spielern heute aus.
Wie würdest Du Deinen Job jemandem beschreiben, der überhaupt keine Ahnung von dem hat, was Du tust?
AR: Wie Du sicherlich weißt, ist die CGS eine globale Liga. Das bedeutet, dass eigentlich keine zwei Stunden am Tag vergehen, in denen nicht irgendwo auf der Welt irgendwas passiert. Mit anderen Worten habe ich also einen 24-Stunden Job – es ist ständig etwas los, auf dass man reagieren muss. Aber reagieren ist natürlich nicht alles. Man muss schließlich auch selbst in Aktion treten und Akzente setzen. Ich sehe mich als steten Antreiber oder als eine Art Coach eines großen Teams. Ich telefoniere viel, checke und schreibe E-Mails – eben das volle Büroprogramm (lacht).
Was bedeutet eigentlich das Wort „Spiel“ für Dich?
AR: Spielen ist für mich in erster Linie Wettbewerb. Es verhält sich mit Spielen wie Sport: Es geht darum, herauszufinden, wer der Beste ist. (pausiert) Und wie ich diesen schlagen kann. (lacht). Unsere Events sind voller Spannung und im Grunde eignen sie sich hervorragend für Charakterstudien. Es ist nämlich sehr interessant, wie unterschiedliche Spieler mit Siegen oder Niederlagen umgehen. Manche brechen total ein, andere entwickeln sich zu wahren Kämpfern. Sehr spannend.
Zeit, um Deine seherischen Kräfte zu testen. Was meinst Du? Wo wird eSports in fünf Jahren sein?
AR: eSports ist eine denkbar junge Disziplin. Sie hat vielleicht gerade einmal acht Jahre auf dem Buckel. Im Vergleich mit anderen Sportarten, also den traditionelleren, wie etwa Euerem Fußball oder Baseball, ist das nicht sonderlich viel. Aber: Es handelt sich um eine Sportart, die rasend schnell wächst. Mit der CGS versuchen wir, unseren Teil beizutragen, eSports aus der Nische heraus, hinein in den Mainstream zu holen.
Wie geht Ihr mit dem schwierigen Thema „Cheating“ um? Ist das nicht immer ein großes Problem, wenn eine Sportart institutionalisiert und professionalisiert wird? Sprich, wenn Geld fließt?
AR: Natürlich wird der Problembereich „Cheating“ bei uns ernst genommen. Allerdings sind mir keine Cheating-Fälle bekannt. Ich führe das zum einen auf die Spieler zurück, die sich offensichtlich stark mit dem Fairnessgedanken verbunden fühlen. Andererseits sind wir Profis, die für gleiche und faire Spielbedingungen bei unseren Events sorgen.
Letzte Frage. In letzter Zeit ist immer wieder das Thema „Doping“ im Bereich eSports zur Sprache gekommen. Was hältst Du von dieser Debatte?
AR: Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass bei uns noch kein Dopingfall auftrat. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, wie das funktionieren soll. Steroide fallen eigentlich sowieso weg, weil physische Kraftsteigerung unseren Spielern nichts bringt. Sollte sich an dieser Situation irgendetwas ändern, werden wir diese Herausforderung natürlich annehmen und die richtigen Schritte einleiten. (pausiert) Bis dahin bleibt das einzige Doping „Mountain Dew“. (lacht)
Andy, vielen Dank für das Gespräch.
AR: Danke Dir, man sieht sich in Birmingham!
Aber sicher.
Das Gespräch führte Rudolf Inderst für GAMEPALS.de