„Der Schatten des Schwertes wird immer länger. Die Tage meines Clans sind gezählt, und im schwindenden Licht stürmen Horden des brutalen Königs Bohan über die Ebenen. Was kann ich tun, außer das Schwert zu beschützen, das er sucht, das Schwert, das all meine Hoffnungen seit dem Augenblick meiner Geburt zunichte gemacht hat? Es zu führen, wird mich töten. Aber was ist schon der Tod für jemanden, der nie richtig gelebt hat…?“
Am 19. September 2007 veröffentlichte Sony einen der meist erwarteten Titel für die PS3; Heavenly Sword, ein actionreiches Hack’n Slay, das die Konkurrenz in den Schatten stellen sollte. Wir waren gespannt, ob das Spiel den hohen Erwartungen gerecht wird.
Meet Nariko and Co.
Nach einer technisch grandiosen, bildgewaltigen Eröffnungssequenz, ist man als Spieler sofort mitten im Geschehen einer Schlacht und darf dort als Rotschopf Nariko die ersten Kämpfe absolvieren. Nach und nach erfährt man, dass der Clan unserer Hauptprotagonistin eigentlich Hüter des Himmlischen Schwertes ist. Der Clan wird nun von Bösewicht König Bohan und seinen Schergen angegriffen, da Bohan selbst in den Besitz der mächtigen Waffe kommen will. Narikos Clan muss sich den Eindringlingen geschlagen geben, ihr Vater, der Anführer des Clans wird von Bohan entführt und verschleppt. Deswegen ergreift Nariko schließlich das Schwert, das eigentlich kein Sterblicher führen darf.

Das Spiel stellt nur wenige Protagonisten genauer vor, doch gerade diese sind sorgfältig ausgearbeitet worden; neben der mutig entschlossenen, aber oft melancholischen Nariko gibt es da einmal Narikos kleine Schwester, ein schizophrenes, katzenhaftes Mädchen, das einen des Öfteren zum Schmunzeln bringt, den strengen aber besorgten Vater Narikos, die drei Handlanger Borats, die jeder auf seine Weise Angst einflößend bis komisch wirken, und natürlich den Widersacher Borat selbst, ein intelligenter, machthungriger Schurke, wie er im Buche steht. Zu der guten charakterlichen Ausarbeitung trägt auch die sehr gut passende deutsche Synchronisation bei. Doch nicht nur die einzelnen Charaktere selbst wirken glaubwürdig, auch Gestik und Mimik kommen erstaunlich real rüber – man erkennt jedes Stirnrunzeln, jedes kleinste Lachfältchen auf den Gesichtern.
Traumhafte Grafik
Insgesamt ist es das, was bei Heavenly Sword am meisten hervorsticht: Die bombastische Grafik; malerische Landschaften wurden ebenso großartig in Szene gesetzt, wie bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Hintergrundgegenstände (etwa Vasenscherben oder Melonen, die während eines Kampfes zufällig über den Boden rollen). Grafik-Fehler, wie etwa Gegner, die irgendwo feststecken und immer wieder gegen den selben Busch laufen, halten sich zum Glück sehr in Grenzen. Schöne Kamera-Fahrten und dazwischen immer wieder Narikos stimmungsvoller Monolog während der Videosequenzen tragen positiv zur melancholisch angehauchten Atmosphäre bei.

Untermalt wird das Ganze durch einen leicht mystischen Soundtrack; kleiner Minuspunkt hierbei ist jedoch, dass die Hintergrundmusik nicht so richtig zum Kampfgeschehen passen will, da sie hier die Spannung raubt: melancholische idyllisch wirkende Klänge, während man sich gerade mit Gegnern prügelt, - das trägt nicht wirklich zur Dramatik bei.
Kämpfe, Kämpfe und noch mehr Kämpfe
Überhaupt wird in dem Spiel gerne und viel geprügelt und gekämpft. Die Moves, die man als Nariko machen kann, sind dadurch, dass unsere Heldin in drei Kampfstellungen kämpft, sehr abwechslungsreich; da gibt es die Tempo-Stellung, die auf Geschwindigkeit abzielt, die Power-Stellung, in der man das Schwert kraftvoll aber langsam schwingt und die Reichweite-Stellung, in der man die beiden Hälften des Schwertes an Ketten schwingt und somit weiter entfernte, bzw. mehrere Gegner gleichzeitig treffen kann. Ein schneller Wechsel zwischen den einzelnen Kampfstellungen ist durch einfache Tastenführung möglich, was sehr zum Kampf-Spaß beiträgt. Dazu kommen noch besonders mächtige Spezialangriffe, die man vollziehen kann, wenn man durch verschiedene Kampf-Kombinationen eine Leiste aufgefüllt hat. Punkteabzug gibt es allerdings bei der Kamera-Führung während den Kämpfen: Man kann die Kamera mit Hilfe des Controllers nur bis zu einem bestimmten Punkt bewegen, ansonsten funktioniert sie automatisch, wodurch oft ungünstige Perspektiven entstehen, weil die Kamera beispielsweise zu weit weg vom Geschehen ist.

Wo bleibt die Abwechslung?
Insgesamt läuft das gesamte Spiel so ab, dass man als Nariko, um das Ziel des Spiels zu erlangen, durch die Gegend läuft, lange und viel kämpft und dazwischen hin und wieder andere Aufgaben zu meistern hat. Für Spieler, die mehr Wert auf eine ausgefeiltere Story und ein abwechslungsreicheres Spiel-Erlebnis legen, mag das bisweilen zu langweilig sein. In der Tat gibt es jedoch, wenn auch wenige, abwechslungsreiche Momente, wie z.B., wenn man mit Hilfe des Sixaxis mit Geschossen auf gegnerische Katapulte „schießen“ muss oder aber die Rolle von Narikos Schwester Kai annimmt und Gegner auch mal mit Pfeil und Bogen erlegen darf.