Auf einer Messe wie der gamescom geht es grundsätzlich und ganz darwinistisch darum, sich im Wettstreit vor die Konkurrenz zu setzen, die eigene Ausgangsposition möglichst erfolgsversprechend zu gestalten. Aufmerksamkeit zu generieren wird durch Lautstärke versucht, durch die Sinne betäubende Bilder, durch Geheimniskrämerei und durch Übertreibung. Wie schafft es dann ein in der Grundkonzeption unauffälliges Produkt, nicht im Trubel der streitbaren Götterfiguren, dem blendenden Munitionsfeuer und euphorisch jubelnder Massen unterzugehen?

Die in München ansässigen Entwickler von Coreplay haben im Falle ihres aktuellen Projekts Ion Assault den Weg altmodischer Qualität gewählt. Auf den ersten Blick stark von Geometry Wars inspiriert, schafft es Ion Assault durch Liebe zum programmierten Detail seine Eigenständigkeit zu bewahren. Die unspektakuläre Grundprämisse samt vernachlässigbarer Geschichte kann auf das Ziel zurückgeführt werden, des Spielers kleines Raumschiff sicher durch unzählige Mengen an Feinden zu steuern. Im Raum verstreute Energiepartikel können angesaugt werden, um einerseits als Schild zu dienen, andererseits den Weg frei zu räumen. Einmal verschossene Partikel verschwinden jedoch nicht, sondern können von Neuem eingesammelt und verwendet werden. Taktisches Vorgehen ist unerlässlich, sonst manövriert der Spieler sich trotz des adaptiven Schwierigkeitsgrades schnell in ausweglose Situationen.
...der Weg altmodischer Qualität...
Vier große Sektoren umfasst Ion Assault, die jeweils in sechs Unterabschnitte aufgeteilt sind. Abwechslung garantieren in Ion Assault nicht nur die unterschiedlichen Feinde und Hindernisse, sondern auch die optische Gestaltung, die die einzelnen Sektoren deutlich voneinander abhebt. Die Mischung aus industriellem und organischem Design, untermalt von treibenden elektronischen Klängen, zieht innerhalb kürzester Zeit tief ins stets flüssig mit 60 Frames pro Sekunde ablaufende Geschehen. Massige Endgegner markieren des Spielers Fortschritte im Spiel und verlangen jeder für sich nach einer speziell angepassten Vorgehensweise. Großes Augenmerk haben die Entwickler auf den Multiplayermodus von Ion Assault gelegt. Bis zu vier Spieler können gleichzeitig gegeneinander in verschiedenen Spielformen antreten, während friedfertigere Naturen sich über den kooperativen Modus für zwei Spieler freuen werden.

Die 160 MB des Downloads sind bis in die letzte Programmzeile mit beeindruckend flüssigen Partikelbewegungen gefüllt, die in Bewegung ein bisher im Genre nicht erwartetes Maß an optischer Brillanz schaffen. Zusammen mit durchdachten Mehrspielermodi, einem bewährten Spielprinzip und großem Umfang hat Coreplay ein heißes Eisen im Feuer. Sollte Ion Assault die vielversprechenden Ansätze schlußendlich im finalen Produkt bewahren können, dürfte das Subgenre der Zwei-Stick-Arcadeshooter seinen definitiven Vertreter gefunden haben.
Ion Assault erschien heute für 800 Microsoft-Punkte.