Als der dicke Handyverkäufer Paul Robert Potts die Bühne einer britischen Casting-Show betrat, ahnte noch keiner der Anwesenden, dass er Zeuge eines modernen Märchens werden sollte. Potts sang Puccinis Arie „Nessun Dorma“ und rührte das Publikum zu Tränen. Der weitere Verlauf ist bekannt: er gewann den Wettbewerb, bekam einen Plattenvertrag, trat in einem Werbespot auf und ging auf Tournee. Aus dem Nichts zum Star, von ganz unten dank seines Sangestalents kurzfristig nach ganz oben. Doch die Kritiken seiner Tourauftritte waren vernichtend, die Magie verflogen und wahrscheinlich wird Potts in fünf Jahren wieder an dem Punkt angekommen sein, den er für immer hinter sich gelassen zu haben glaubte. Potts war eben kein Star, sondern nur ein rasch verglühendes Sternchen. Er hatte außer seiner Stimme nichts Besonderes, zu wenig schlußendlich, um dauerhaft den Status des Außergewöhnlichen bewahren zu können.
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Auch Virtua Tennis 2009 brilliert in seiner Kerndisziplin, hier der spielerischen Darstellung des Tennissports. Die Animationen der Figuren sind lebensnah, die Ballphysik akkurat und eine krachende Vorhand die Linie entlang reißt das virtuelle Publikum auf den Sitzen genauso von den Sitzen wie ein Ass Tim Henmans die Erbeeren mit Sahne löffelnden Briten in Wimbledon. Zwar ist Virtua Tennis serientypisch noch immer kaum mehr als eine ausgefeilte Neuinterpretation des klassischen Pong, bleibt also im Herzen ein Arcade-Titel der auf Simulationsansätze bereitwillig verzichtet, und doch war Tennis nie schöner als hier. Die Spielgeschwindigkeit wurde dezent herabgesetzt, die Laufgeschwindigkeit der Figuren dafür leicht erhöht, was zu längeren Ballwechseln führt, bei denen es noch mehr auf strategisch kluges Spiel und Antizipation von Spielsituationen ankommt. Aufschläge können exakter in der Stärke dosiert und genauer plaziert werden, Hechtsprünge wurden in der Häufigkeit deutlich heruntergeschraubt.
...der immer gleiche, tumbe Gesichtsausdruck macht schaudern...
Auf dem Platz ist alles gut, aber das allein macht aus Virtua Tennis 2009 noch kein gelungenes Spiel. Zu gering sind die Veränderungen zum direkten Vorgänger Virtua Tennis 3. Noch immer stellt die World Tour das Herz des Titels dar, in der durch geduldiges Training aus einem hoffnungsvollen Newcomer die Nummer eins der Weltrangliste geformt werden kann. Unterricht bei Tim Henman, Probematches gegen etablierte Herausforderer und natürlich immer wieder die notorischen Minispiele treiben die Statuswerte des selbterschaffenen Spielers nach oben. Nebenbei können in Turnieren verdiente Credits gegen hübschere Outfits oder bessere Schläger eingetauscht werden. Die Minispiele bestehen aus bekannten Klassikern wie der Avalanche, bei der Bällen ausgewichen werden muss, die eine Schräge herunterrollen, während man verstreutes Obst einsammelt, und Neuzugängen wie der herzerwärmenden Zootierfütterung. Hier muss putzigen Zoobewohnern das passende Futter ins Maul gespielt werden. Lehrreich an dieser Stelle: Löwen mögen Pizza.
Eigentlich ein wasserdichtes Konzept, doch unglücklicherweise ist der Karrieremodus ungefähr so rasant wie ein ausschließlich mit Mondbällen bestrittenes Fünfsatzmatch. Auf Sand. Denn in der Weltrangliste aufzusteigen dauert einfach zu lange. Ein gewonnenes Challengerturnier bringt einen vom Startplatz 100 gerade mal um einen Platz weiter nach vorne. Gewinnt man das Einzel- und das Doppelturnier springt die Ranglistenplazierung im Schnitt gleich um beeindruckende drei Plätze vor. Angesichts der Tatsache, dass die Begegnungen dieser Einsteigerveranstaltungen keinerlei spielerische Herausforderungen bieten, ist die World Tour letztendlich kaum mehr als eine unerträgliche Geduldsprobe.
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Unverständlich auch die Entscheidung der Entwickler, für verpatzte Minispiele anders als im Vorgänger nicht zumindest einen Teil der möglichen Charakteraufwertung zu spendieren. Versagt man, bekommt man gar nichts und darf sich ärgern. Hinzu kommen die noch immer frustrierend langen Ladezeiten vor und nach allen Aktivitäten, zwischen Matches und beim Aufruf verschiedener Menüs und selbst ausgeglichene Naturen bekommen Probleme mit dem Blutdruck.
...zu groß die Zahl der Ärgernisse...
Wendet sich der genervte Spieler von der Karriere ab und sucht Herausforderungen in der Weite des Internets, so erfreuen zuerst verbesserte Menüs und die Einbindung des Onlinespiels in die World Tour. Ranglistenspiele und Teilnahme an Turnieren ermöglichen es, den eigenen Charakter variantenreich ins Haifischbecken des zwischenmenschlichen Wettbewerbs zu befördern. Doch schnell macht sich auch hier Ernüchterung breit. Dies beginnt schon mit der zunächst beinahe komischen, bald aber abstoßenden Tatsache, dass sich eigentlich alle generierten Spieler ähneln. Der Ladescreen vor einem Onlinedoppel sieht dann auch aus wie ein Familienporträt der häßlichen Nachbarn. Der immer gleiche, tumbe Gesichtsausdruck macht schaudern, Variation gibt es nicht, nur die Haare sind deutlich unterscheidbar. So gelungen die Nachbildung der realen Tennisstars wie Federer, Nadal und Sharapova auch ist, so furchtbar inzestuös wirken die selbsterstellten Figuren.
Hat man den Horror des Ladebildschirms überstanden sollte eigentlich alles gut werden, aber bedauerlicherweise kann der Onlinemodus den Gesamteindruck nicht verbessern. Gerade im Sportspielgenre eigentlich unverzeihlich, denn nur im Wettstreit mit fluchenden Opponenten macht Sport an der Konsole doch wirklich Laune. Fluchen müssen hier aber beide, zu groß die Zahl der Ärgernisse. Beendet der gegnerische Spieler eine für ihn verlorene Partie vorzeitig, bekommt man selbst die Partie nicht gewertet. Weder als Sieg noch als überhaupt gespielt. Auch reguläre Siege und Niederlagen werden oftmals einfach nicht in die Statistik mit aufgenommen. Die Verbindungsqualität könnte ebenfalls besser sein, zu keinem Zeitpunkt ist das Onlineerlebnis ähnlich flüssig wie offline. Speziell der verwirrende Umstand, das der Ball am Gegenüber für einen Sekundenbruchteil haften bleibt und erst dann zurück über das Netz geflogen kommt, macht auch nach stundenlanger Gewöhnungsphase ein planvolles Spiel unmöglich.

Virtua Tennis 2009 krankt an mangelndem Mut zur Innovation einer eingeführten Marke. Auch wenn das Tenniserlebnis selbst nahe an der Perfektion angekommen ist, macht das Drumherum einen Großteil der anfänglichen Begeisterung nieder. Einzig das Spiel gegen einen menschlichen Gegner zusammen vor einer Konsole erfüllt alle Versprechungen, die übrigen Modi schleppen einen oder gleich mehrere gravierende Mängel mit sich über den Platz. Virtua Tennis 2009 ist ein Rückschritt innerhalb der Serie, das Gesamtpaket kann trotz Kernkompetenz nicht begeistern. Eine Sternschnuppe am Tennishimmel.