Als die Spiele zu dozieren lernten - Ein Ausflug in die Welt der Game Studies

Spielen für die Wissenschaft? Na, die haben es gut! Weltweit beschäftigen sich immer mehr Forscher mit digitalen Spielen. Alles über die noch jungen Game Studies in unserer kleinen Einführung. Von Rudolf Inderst Eingestellt: 6.06.2009 09:15

Video- und Computerspiele nehmen einen zunehmend größeren Raum in unserer Alltagswelt ein. Längst sind sie zu einem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Phänomen geworden, welches auch Studenten und Dozenten weltweit an den Universitäten interessiert. Diese Forschungsarbeiten lassen sich unter dem Begriff der Game Studies zusammenfassen.

Game Studies, also die akademische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitaler Unterhaltungselektronik in Form von Video- und Computerspielen, ist ein junges Forschungsfeld. Es tritt vermehrt erst seit Ende der 1990er-Jahre auf und drückt sich in unterschiedlicher Form aus. Zwar institutionalisieren und kanonisieren sich die Studien zu digitalen Spielen in Form von eigenen universitären Studiengängen, erweiterten Seminarangeboten, Tagungen und Kongressen sowie einem sich fortlaufend erweiternden Bestand an Fachpublikationen, es existiert jedoch eine Vielzahl von unterschiedlichen Auffassungen und konkurrierenden Meinungen innerhalb der Forschergemeinschaft. Fortlaufend entdecken neue Forschungsrichtungen, wie etwa die Psychologie, Soziologie, Medienwissenschaften oder die Pädagogik das Feld der digitalen Spiele für sich und versuchen auf der einen Seite, neuartige Erkenntnisse zu gewinnen, jedoch auf der anderen Seite auch Forschungsbereiche für sich abzustecken und eine Deutungs- und Kompetenzhoheit zu entwickeln. Global ins Auge gefasst gehören die Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien und Skandinavien zwar zu den aktivst-forschenden Game Studies-Nationen, jedoch holen viele Forschungsstandorte in anderen Ländern rasch auf, welches sich in der fortschreitenden Internationalisierung der Fachtagungen und Konferenzen widerspiegelt. Doch ist der Austausch gerade mit Forschern aus asiatischen Staaten, zum Beispiel Japan oder Südkorea, die beide ausgeprägte digitale Spielekultur aufweisen, noch einigermaßen beschränkt, was auch häufig den Sprachbarrieren angelastet wird.

Es existieren mannigfache Gründe, wieso digitale Spiele immer stärker ins Zentrum wissenschaftlichen Interesses rücken und tatsächlich von einer Art Forschungsboom gesprochen werden kann. Als die finanziellen Einnahmen der Filmindustrie durch den Unterhaltungsmarkt der PC- und Videospiele überholt wurden, hatte das eine starke symbolische Wirkkraft. Es war deutlich geworden, dass man einem Medium, das Finanz- und Wirtschaftskreisläufe derart massiv beeinflussen kann, Aufmerksamkeit widmen sollte. Weiterhin hatten einige Studien darauf gedeutet, in welch kurzer Zeit Spiele es geschafft hatten, dem Fernsehprogramm als liebste Freizeitbeschäftigung in westlichen Staaten die vorderen Plätze streitig zu machen. Spiele waren zur Jahrtausendwende in technischer, ästhetischer und sozialer Hinsicht so weit gereift, dass sich immer mehr Forscher mit diesem Phänomen beschäftigen wollten. Und drittens weitete sich der Einfluss von digitalen Spielen auch immer weiter auf andere Medien aus: An dieser Stelle seien Romane, Comics, Spielfiguren und Filme erwähnt, welche allesamt auf den fiktiven Spieleuniversen basieren. Letztlich dürfen die persönlichen Lebensläufe der jüngeren Akademiker und Forscher nicht übersehen werden. Sie sind es, die mit digitalen Spielen aufwuchsen und diese daher als natürlichen Teil ihrer Lebenswelt erfuhren und akzeptieren. Daher sind sie als Forschungsgegenstand für sie genauso legitim, interessant, relevant und Erfolg versprechend wie andere Medien auch, seien es Filme, Musikstücke oder TV-Serien  

Wenn Ihr nun Lust bekommen habt, Euch einmal eingehender mit dem Thema Game Studies auseinandersetzen wollt, können folgende Buchtitel Euch einen ersten Weg weisen. Und wer weiß? Vielleicht seid dann schon Ihr bald die kommenden Doktoren und Professoren an deutschsprachigen oder internationalen Universitäten, die sich die Game Studies auf die Fahne geschrieben haben!

Weiterführende Literatur:
James Newman: Videogames. New York, 2004.
Frans Mäyrä: An Introduction to Game Studies. London, 2008.
Claus Pias/ Christian Holtorf (Hg.): Escape! Computerspiele als Kulturtechnik. Köln/ Weimar/ Wien, 2007.
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