Nach fünf bis acht Stunden ist Schluss. Die letzte Kippe ist geraucht, der letzte Gegner in Zeitlupe blutigst erschlagen, und das Spiel wandert ins Regal. Ob das den Vollpreis wert ist, soll jeder Spieler für sich entscheiden. Zusammen genommen lässt sich vorweg festhalten: Afro Samurai legt extradick beim visuellen Style auf, und lässt es dafür an der designerischen Raffinesse mangeln.

Afro Samurai basiert auf der gleichnamigen und überaus erfolgreichen Anime-Serie und mischt traditionelle japanische Kultur mit zeitgenössischer Technologie und einem außergewöhnlichem Hip Hop Soundtrack, den Herr RZA persönlich zwar nicht erstellt, aber immerhin überwacht hat. Die Handlung dreht sich um das Stirnband Nummer Eins, das dem Träger gottgleiche Kräfte verleihen soll und das einst im Besitz von Afros Vater gewesen ist. Als Kind musste Afro mitansehen, wie sein Vater ermordert und das Stirnband Nummer Eins gestohlen wurde. Doch den Träger des Stirnbands Nummer Eins kann nur herausfordern, wer das Stirnband Nummer Zwei besitzt. Und so macht sich Afro auf die Suche nach dem Stirnband Nummer Zwei und damit auf einen blutigen Rachefeldzug gegen den Mörder seines Vaters.
Körper werden gespalten, Gliedmaßen verlassen Reih und Glied und das Blut sprudelt aus allen nur erdenklichen Öffnungen bachartig hervor
Dieser Rachefeldzug ist optisch und visuell ästhetisch ansprechend in Szene gesetzt worden. So ansprechend, dass der Titel in Deutschland gar nicht erst erscheint. Den was de schwarze Samurai in der seit Matrix nicht mehr aus coolen Medienprodukten wegzudenkenden Zeitlupe mit seiner Klinge den Gegner antut, ist – wenn auch ohne Frage höchstgradig überstilisiert – äußerst explizit. Körper werden gespalten, Gliedmaßen verlassen Reih und Glied und das Blut sprudelt aus allen nur erdenklichen Öffnungen bachartig hervor. Habe ich schon erwähnt, dass auch recht freizügig mit dem Thema weibliche Nacktheit umgegangen wird? Kurzum, es wird hoffentlich jeder einsehen, dass dieses Spiel schlichtweg nichts in Kinderhänden zu suchen hat.
Abgesehen von der bereits erwähnten Spieldauer, krankt Afro Samurai an einigen bekannten Spiellustkillern. Da ist zum einen die recht eigenwillige Kamera, die angesichts des hohen Gegneraufkommens den Spieler in arge Bedrängnis bringt, wenn sie bockt wie ein japanischer Dämon. Die generischen Gegnerfluten lassen Abwechslung vermissen. Dazu gesellen sich in gegnerfreien Momenten etliche Jump and Run-Momente, die sich nicht so recht in das Spiel einfügen wollen. Ergänzt wird diese Mängelliste durch ein paar satte Framerateeinbrüche, die in Begleitung von Clippingfehlern keinen guten Eindruck machen. Wie so oft bleibt der Verdacht, dass auf das Polishing kein großer Wert gelegt wurde. Auch beschleicht den Spieler den Verdacht, dass die unheimlich lange Komboliste an Schlägen, die man ausführen KÖNNTE, bloße Makulatur: Selten benutzt man die Tastendruckkombinationen gezielt, um im Spiel weiterzukommen. Erstens reichen meist die einfachen Schläge, um die Gegner außer Gefecht zu setzen und zweitens unterbrechen die Hiebe der zahlreichen Gegner um die Spielfigur herum die Kombinationen (so schön sie auch anzusehen sind, wenn sie denn einmal klappen).