Der professionelle Videospieler Johnathan Wendel im Gespräch

Hinter dem Pseudonym Fatal1ty versteckt sich neben einer Legende des E-Sports auch ein gewiefter Geschäftsmann. Rudolf Inderst verrät er, was die Zukunft für das PC-Spiele Segment bereit hält und welche Filmrolle durch ihn seine Idealbesetzung finden würde. Von Rudolf Inderst Eingestellt: 27.03.2009 12:07

Für viele PC-Spieler ist Johnathan Wendel aka Fatal1ty eine Legende: Der 1981 in Texas geborene Wendel ist einer der ersten professionellen Computerspieler der USA und heute weltweit bekannt und gefürchtet. Seinen Ruf hat er sich insbesondere in Quake II und Quake III erarbeitet. 1998 begann er bei unterschiedlichen Turnieren in den USA, der Durchbruch gelang ihm jedoch im Jahr 1999 in der Cyberathlete Professional League. Wir trafen den selbstbewussten jungen ProGamer in München zu einem kleinen Plausch unter Zockern.

Schön, dass Du es geschafft hast, Dir ein paar Minuten für uns Zeit zu nehmen. Vielleicht kannst Du Dich für unsere Leser und Leserinnen kurz einmal vorstellen?

Johnathan Wendel (JW): Sehr gerne. Mein Name ist Johnathan Wendel, auch bekannt unter dem Namen "Fatal1ty". Ich bin professioneller PC-Spieler, 12-facher Weltweister und habe in den letzten Jahren über 500.000 US-Dollar verdient. Außerdem habe ich mit Fatal1ty Inc. eine eigene Firma am Start. Ich arbeite mit verschiedenen Partnern aus der PC-Industrie zusammen, um gute und geeignete Hardware für Spieler zu entwerfen.

Auf der FAQ-Seite Deiner Website ist für uns Videospieler eine interessante Frage zu finden: “Könntest Du eine Spielfigur sein – welches wäre das und warum?” Deine Antwort darauf war: „Sub-Zero von Mortal Kombat, weil er Gegner einfrieren kann.“ Wie wir alle wissen, entstammt Mortal Kombat den Videospielhallen und Heimkonsolen. Das ist es ja nur konsequent zu fragen, ob Du auch abseits vom PC Videospiele spielst?

JW: Definitiv. Seit meinem 4. oder 5. Lebensjahr bin ich dabei – Nintendo war mein Wegbereiter! Nach dem Sega CD allerdings wechselte ich auf den PC, weil ich das Gefühl hatte, diese Plattform bietet mehr Freiheiten. Zu diesem Zeitpunkt begann ich auch, FPS mit Maus und Tastatur zu spielen. Außerdem bot der PC das Internet – das darf man nicht unterschätzen.

Xbox 360 und PlayStation 3 sind beliebte Heimkonsolen. In den letzten Jahren hat sich ein deutlicher Trend hin zu Multiplayer-Spielen abgezeichnet. Spiele wie Halo oder Call of Duty 4 sind Hotspots für viele Spieler weltweit. Wie sieht ein hauptsächlicher PC-Spieler diese Entwicklung?

JW: Generell finde ich das großartig – gerade die von Dir angesprochenen Titel sind klasse Spiele. Ich denke, man könnte FPS-Spiele auf Konsole als Erziehung hin zum Spieler der Titel auf PC bezeichnen. Mit Maus und Keyboard eröffnen sich den Spielern ganz neue Welten in Sachen Geschwindigkeit und Präzision. Ich hoffe also, dass sich die Topkonsolenspieler irgendwann nach einer noch größeren Herausforderung sehnen und dann zu uns auf den PC kommen.

Der Mitbegründer und Geschäftsführer von Epic, Tim Sweeney, hat letztes Jahr verkündet, dass der PC als Spieleplattform ausstürbe. Das läge an den vielen verschiedenen Hardwarekonfigurationen und den großen Leistungsunterschieden zwischen diesen. Da fragt man sich doch gleich: Was sind momentan PC-Spieler: eine gefährdete oder sogar eine aussterbende Rasse?

JW: Leute wollen Technologie – und PCs bringen das! Bombastische Grafik und 3D-Technologie zum Beispiel, das sind eindeutig Sachen, bei denen der PC die Vorreiterrolle übernehmen kann, muss und wird. Es ist aus der Spielelandschaft alles andere als wegzudenken.

Du hast als Sprecher und Kommentator für die mittlerweile geschlossene Championship Gaming Series, die sich in Europa nie richtig durchsetzen konnte, gearbeitet. Den Fehler, als Team Manager dort anzuheuern, hast Du aber vermieden. Unweigerlich stelle ich mir da die Frage, ob Du mit mentalen Fähigkeiten ausgestattet bist, die dich vor schlechten Geschäftsentscheidungen schützen?

 

Unter 12 bis 15.000 Dollar Preisgeld für ein Turnier "ist es eigentlich Zeitverschwendung"

JW: Hmm, für mich war es eigentlich ein gutes Geschäft, meine Partner und ich konnten unsere Produkte und unsere Message recht gut und gezielt promoten. Es wäre eine einfache Entscheidung gewesen, einfach als Manager oder gar Spieler anzufangen, aber ich denke, wir gingen einen Schritt weiter – der Sport als solcher sollte im Vordergrund stehen und zwar mit mir als Sprecher. Allerdings ist das Ende der Liga wirklich schade, es hat Spaß gemacht und die Spieler wurden gut bezahlt. Ich hoffe natürlich, dass Angebote in Zukunft nicht ausbleiben, eine ähnliche Chose zu starten. Generell zur CGS bleibt festzuhalten, dass ein paar Dinge nicht so wirklich rund liefen, was die Spieler und die Spielerauswahl betrifft.

 

Du trainierst ja mittlerweile wieder recht fleißig und kontinuierlich – wann wirst Du wieder angreifen?

JW: Sobald große und gut bezahlte Turniere auftauchen. Momentan trainiere ich durchschnittlich vier Stunden am Tag, um am Ball zu bleiben. Wenn allerdings kein Satz von 12 bis 15.000 US-Dollar monatlich herausspringt, ist es eigentlich Zeitverschwendung.

Das ist eine gute Überleitung – angesichts der globalen Wirtschaftskrise ist es doch fraglich, ob Turnierpreise in Deiner gewünschten Höhe in nächster Zukunft überhaupt gezahlt werden?

JW: Eigentlich ist es momentan nicht anders als in der Techkrise von 2001. Wenn die Wirtschaft aber wieder anspringt, melden sich auch die Sponsoren wieder zurück – da bin ich ganz sicher.

Okay, wir wäre es an dieser Stelle mit einem kleinen Spiel. Vervollständige einfach den nächsten Satz: „Spielen bedeutet mir ….“

JW: „….alles.“

Kannst als professioneller Spieler eigentlich noch spielen um des Spielens bzw. um der Entspannung oder des Spaßes willen?

JW: Glücklicherweise ja. Ich finde es toll, an einer Sache intensiv zu arbeiten, die mir Spaß macht. Und beim Spielen habe ich genau das Gefühl.

Hast Du jemals darüber nachgedacht, eine Autobiographie zu schreiben?

JW: Oh, eine interessante Frage. Ich würde sagen, es gab in der jüngeren Vergangenheit mehrere Gelegenheiten, die es gerade zu herausforderten, ein Buch zu verfassen, aber momentan habe ich das Gefühl, meine Geschichte ist noch nicht fertig. Ich bin noch nicht bereit, ein Fazit zu ziehen. Aber eines Tage werde ich das angehen.

Zeit, um den Nerd heraushängen zu lassen: Welcher FPS sollte unbedingt verfilmt werden?

JW: Also, ganz klar: Painkiller mit mir in der Hauptrolle!

Auf welches Spiel wartest Du momentan ganz brennend?

JW: Ich denke, es sind nicht so sehr die Spiele, die mich reizen, sondern die kommende Technologie. Wenn ich zum Beispiel an die Weiterentwicklung von 3D-Brillen, Headsets oder Prozessoren denke, beantwortet das Deine Frage ganz gut.

Okay, dann danke ich Dir herzlich für das Gespräch und wünsche Dir einen guten Heimflug.

JW: Danke!

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