Das Resident Evil Franchise kann mittlerweile auf eine recht lange Geschichte zurückblicken. Bereits 1996 erschien der erste Teil der Reihe und bis heute sehen viele Spieler in der Serie die Begründung und den Aufstieg des Videospielgenres Survival Horror. Unzählige Ableger, Nachfolger und Remakes später steht nun ein fünfter Teil in den PS3-Startlöchern. Im Jahr 2002 schließlich entschloss man sich unter der Produktion von Bernd Eichinger und der Regie von Paul W.S. Anderson, Resident Evil auch ins Kino zu bringen. Der finanzielle Erfolg des ersten Films gab den Machern recht – und so folgte 2004 der zweite und 2007 der dritte Teil: in der Hauptrolle stets Milla Jovovich als Alice. Was die Handlungen und Personen betrifft, nahm man sich großzügig künstlerische Freiheiten heraus, was nicht wenigen Fans rund um den Globus die Zornesröte ins Gesicht trieb.

Der Animationsfilm Resident Evil Degeneration ist nicht Teil der Spielfilmreihe und orientiert sich inhaltlich enger an die Spielvorlage: Sieben Jahre nach der Tragödie von Raccoon City bringt ein Zombie-Angriff auf den Flughafen von Harvardville den Spezial-Agenten Leon S. Kennedy und Claire Redfield wieder zusammen. Doch dieser Vorfall ist lediglich der Auftakt zu einer lebensgefährlichen Jagd auf den vermeintlichen Terroristen Curtis, welcher in Raccoon City seine ganze Familie durch die großangelegte Bombardierung der Stadt verloren hat und nun die Regierungsverschwörung aufdecken möchte. So weit, so konspirativ! Könnte der Film das hohe Tempo der ersten 20 Minuten über die gesamte Strecke aufrechterhalten, hätte man einen ziemlich geschmeidigen Zombieausflug auf der Hand. Leider verläuft die Geschichte aber zusehends im Sand und verstrickt sich in klischeebehafteten Dialogen und drögen Leerläufen. Die Qualität der Animation ist schwankend, manche Bilder sind eye candy pur, doch der Großteil der CGI-Bewegungen wirkt stockend und wenig flüssig. Hinzu kommt der geringe Splattertainment-Faktor: Hier hätte man ruhigen Gewissens noch ein paar blutige Gänge höher schalten können, statt mit Hautteint-Weichzeichner punkten zu wollen. Und ob die ewig pessimistische Formel „Gieriger Pharmakonzern + korrupte Politik = Weltuntergang“ dem Zombiegenre neue Impulse verleihen kann, ist zudem fraglich.
Gliedmaßen fliegen, Köpfe rollen und Blutfontänen sprudeln – zu Recht erhielt der Film keine Jugendfreigabe
Dead Space Downfall geht einen anderen Weg. Konzeptionell handelt es sich um ein Prequel, das heißt der Zuschauer erfährt von den Ereignissen, die sich vor seinem oder ihren Spiel im Dead Space-Universum abspielen. Und diese sind … recht explizit. Auf einem abgelegenen Planeten stößt die Mannschaft des Raumkreuzers Ishimura auf einen rätselhaften, offenbar von intelligenter Hand geschaffenen Monolithen. Man beschließt, das Artefakt zur Erde zu transportieren. Doch unter der Besatzung mehren sich Morde und Selbstmorde. Irgendeine mysteriöse, außerirdische Macht scheint die Leute in grotesk entstellte Mutanten zu verwandeln, und ehe sich die nachdenkliche Minderheit eines besseren besinnt, steht sie mit dem Rücken zur Wand.
Hier kann getrost gefragt werden: Who will survive and what will be left of them? Das Spiel Dead Space, das von der Fachpresse gerne als „Event Horizon für Videospieler“ beschrieben wurde und hohe Wertungen einfahren konnte, konnte sich leider nicht zum Topseller entwicklen, dennoch ist ein zweiter Teil in Planung. Wenn es nach Publisher Electronic Arts geht, möchte man den Grusler auch auf der Kinoleinwand unterbringen. Nun liegt schon einmal eine DVD vor, die vom Animationsstil an eine Mischung aus Captain Future und Aeon Flux erinnert. Die 71 Minuten sind dabei konsequent harte und blutige Kost. Gliedmaßen fliegen, Köpfe rollen und Blutfontänen sprudeln – zu Recht erhielt der Film keine Jugendfreigabe. Und dennoch ist es mitnichten die überpräsente Gewalt, die den Film im Vergleich zu seinem Kollegen reifer, erwachsener und eigenständiger wirken lässt. Die Charakterisierung der oftmals erstaunlich unsympathischen Figuren mit wenigen Federstrichen lassen die tiefen Konflikte erahnen, die unter Stress und Druck ausbrechen und die fragile Zivilisation in einem Blutrausch hinwegfegen. Dogmatisches Festhalten, verbohrter Glauben und ideologische Paranoia geben sich hier die Klinke in die Hand – sie sind gleichzeitig Wegbereiter, Auslöser und Multiplikator der Katastrophe.

Zusammen genommen kann der geneigte Videospieler mit beiden Filmen seinen Spaß haben. Es sei allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen, dass erwachsene Filmfreunde mit Dead Space Downfall eindeutig das anspruchsvollere Programm geboten bekommen. Der Film macht zudem Lust, sich noch einmal die Animated Comics anzusehen, die kostenlos im Netz zu beziehen sind.